2026 – Der Sommer der Entscheidung - AfD-Momentum und der Mut der Demokraten
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ESI-Hintergrund: Wie AfD-Spin funktioniert, 26. Juni 2026
Die erfolgreichsten Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten Deutschlands zeigen, dass man Wahlen gewinnen kann, ohne sich von der AfD einschüchtern zu lassen. Viele von ihnen haben die Gefahr, die Deutschland und Europa durch diese Partei droht, immer klar benannt. Nun gilt es, klaren Worten entschlossene Taten folgen zu lassen.
In diesem Sommer haben Deutschlands Ministerpräsidenten im Bundesrat die vielleicht letzte Gelegenheit, das Momentum einer verfassungsfeindlichen, Putin-freundlichen Dexit-Partei zu stoppen, bevor diese irreparablen Schaden anrichten wird. Es geht jetzt darum, dass eine bereits bestehende Mehrheit von Ministerpräsidenten, die sich in der Vergangenheit deutlich zur AfD geäußert haben, das „schärfste Schwert des Grundgesetzes“ zieht und handelt. Es geht darum, in einem Moment der Verunsicherung Demokraten in ganz Europa zu zeigen: Die deutsche Demokratie ist wehrhaft und bereit zu kämpfen. Deutsche Demokraten werden sich nie wieder ohne Widerstand einer unheiligen Allianz beugen, wie jener, die in den letzten Monaten zwischen der AfD und Putins Russland ganz offen geschmiedet wurde. Deutsche Demokraten werden nie wieder kampflos einer Partei Kontrolle über Ministerien und die Polizei übergeben, die in Wahlkämpfen verfassungsfeindliche millionenfache „Remigration“, ethnische Säuberungen und menschenwürdewidrige Diskriminierung von Minderheiten verspricht. Und die sich aktiv kämpferisch mit jenen vernetzt, die solche Maßnahmen anderswo bereits umsetzen.
Allerdings könnte dieser Sommer die letzte Gelegenheit sein, diese unheilvolle Entwicklung zu stoppen. Es ist möglich, dass die AfD durch historische Siege bei Landtagswahlen im Herbst 2026 das erreicht, was in der Geschichte so oft entscheidend war – historisches Momentum. Bildet die AfD eine Regierung in Sachsen-Anhalt, droht ein Dammbruch. Dieser würde sich vor dem bedrohlichen Hintergrund des blutigsten Krieges in Europa seit 1945 vollziehen, mit einem aggressiven Russland, das auf einen Sieg der AfD setzt und gleichzeitig all jene Demokratien in Europa militärisch bedroht, die die AfD für eine Verständigung mit Putin opfern würde.
In den letzten Jahren hat es diesbezüglich nicht an Warnungen gefehlt. Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, warnte im Juni 2025, in Moskau gebe es Leute, die nicht mehr glaubten, dass Artikel 5 der NATO funktioniere, „und sie würden das gerne testen“. Der dänische Militärnachrichtendienst nennt drei Szenarien: einen lokalen Krieg gegen ein Nachbarland binnen sechs Monaten nach einem Stopp in der Ukraine, eine glaubhafte Bedrohung mehrerer NATO-Staaten im Ostseeraum binnen zwei Jahren und einen großangelegten europäischen Krieg binnen fünf Jahren, falls die USA fernblieben und die NATO nicht aufrüstete. Der niederländische Dienst hält einen regionalen Konflikt gegen die NATO binnen eines Jahres nach einem Ende des Ukrainekriegs für möglich; Russland treffe schon jetzt „konkrete Vorbereitungen“. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte in Berlin im Dezember 2025, „wir sind Russlands nächstes Ziel“, und Moskau könnte binnen kurzem in der Lage sein, militärische Gewalt gegen das Bündnis einzusetzen.
Russland testet das Bündnis bereits. Rund zwanzig russische Drohnen drangen im September 2025 nach Polen ein. Luftraumverletzungen, Sabotage und Drohnenvorfälle an Flughäfen folgten auf dem ganzen Kontinent. Der tschechische Präsident Petr Pavel warnte, Russland habe gelernt, seine Provokationen „knapp unter“ der Schwelle zu halten, die Artikel 5 der NATO auslösen würde. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sagte, die Vorstellung, die Vorfälle seien Zufall gewesen, widerspreche jeder Vorstellungskraft. Über Putin sagte ein Vertrauter einmal, er lasse nie eine Gelegenheit aus, eine sich bietende Lücke zu nutzen. Abschreckung ist dann erfolgreich, wenn keine solche Lücke sichtbar wird.
Zur militärischen Drohkulisse tritt in Deutschland nun eine politische Gefahr. Moskau hat seine lange eher verdeckte Nähe zur AfD längst vollkommen offen gemacht. Beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum Anfang Juni 2026 traf der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier am Rande der Tagung Kirill Dmitrijew, Putins Sondergesandten und Chef des russischen Staatsfonds, der weltweit als Chefunterhändler in den Ukraine-Gesprächen mit den USA bekannt wurde. Auch der sächsische AfD-Landeschef Jörg Urban war in Putins Heimatstadt zu Gast. Wie eng die Kontakte der AfD vor Ort waren, beschreibt der Spiegel: Frohnmaier, der oberste Außenpolitiker seiner Fraktion, traf am Rande des Forums Andrej Klimow, der im russischen Föderationsrat die Kommission zum Schutz der staatlichen Souveränität leitet und an den Gesetzen gegen „ausländische Agenten“ und „unerwünschte Organisationen“ maßgeblich beteiligt war, mit denen Moskau unabhängige Journalisten und Nichtregierungsorganisationen kriminalisiert. Frohnmaier traf Gazprom-Chef Alexej Miller. Als weiterer AfD-Vertreter reiste der EU-Abgeordnete Petr Bystron an. Am deutlichsten sprach dabei Kirill Dmitrijew. Auf der Plattform X nannte er die AfD bereits Mitte Mai 2026 „die Hoffnung für die Deutschen“; nach dem Treffen mit Frohnmaier in St. Petersburg schrieb er, er freue sich darauf, „gemeinsam mit der AfD, Deutschlands beliebtester Partei, eine großartige Zukunft zu gestalten“. Schon im Oktober 2025 hatte er den Erfolg der Partei damit erklärt, dass sie sich gegen „unkontrollierte Einwanderung, Lügen und Zensur“ stelle. Auch andere Kreml-Vertreter äußern sich so: Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, nannte die AfD im November 2025 eine „sehr angesehene“ politische Kraft, die unter „enormem Druck“ stehe und deren Vertreter „beinahe des Hochverrats“ beschuldigt würden.
Diese offene Umarmung hat ihr Echo bei jenen Vordenkern, die in kremlnahen Netzwerken den Ton gegen Europa angeben. Alexander Dugin, Vordenker des Neoeurasismus, erklärt schon lange, allein die AfD verkörpere noch den „gesunden Menschenverstand“ der Deutschen, und Russland müsse mit ihr die Zusammenarbeit suchen. Die Verbindungen reichen weit zurück: Schon 2015 traf Alexander Gauland in St. Petersburg Dugin, dessen Ideen er „intellektuell interessant“ nannte. Wie offen Drohungen der russischen Freunde der AfD heute vorgetragen werden, zeigte auch Konstantin Malofeev, ein wegen der Destabilisierung der Ukraine von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und Kyjiw sanktionierter Oligarch. Er tat dies auf eben jenem St. Petersburger Forum, an dem die AfD-Delegation teilnahm. Im offiziellen Programm stellte er gemeinsam mit einer Expertengruppe – darunter Alexander Dugin – einen Bericht zu „Szenarien für Russlands Zukunft“ vor. Das aus Sicht der Autoren beste Szenario sieht für das Jahr 2036 den Einsatz von Atomwaffen, den Zerfall der Europäischen Union sowie die Einnahme von Kyjiw und Odesa und die vollständige Unterwerfung der Ukraine vor; bis 2050 soll Russland eine eigene eurasische „Großregion“ und die „Dreieinigkeit des russischen Volkes“ verwirklichen. Auf Deutschland blickt Malofeev dabei mit Zuversicht: Dort werde, so prognostizierte er, nicht mehr die CDU, sondern die AfD die bestimmende politische Kraft des Landes sein.
Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt. Umfragen sahen die AfD im Mai bei rund 41 Prozent und die CDU bei etwa 26 – die AfD verdoppelte damit annähernd ihr Ergebnis von 2021, während die CDU deutlich unter ihr letztes fiel. Wenn mehrere kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann ein Stimmenanteil von 41 Prozent in eine absolute Mehrheit der Sitze umschlagen. Die AfD könnte dann in Magdeburg allein regieren. Zwei Wochen später, am 20. September, wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Hier im Nordosten führt die AfD ebenfalls die Umfragen an, vor der regierenden Sozialdemokratin Manuela Schwesig; in Berlin liegt die Partei nicht vorn, steuert aber auch auf ihr bislang stärkstes Ergebnis in der Hauptstadt zu. Eine von der AfD geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt würde erstmals die Polizei eines Bundeslandes kontrollieren. Und sie hätte erstmals einen Sitz und die Stimmen des Landes im Bundesrat, der Kammer der Länder.
Damit drohen dann auch die Argumente für die Brandmauer gegenüber der AfD wegzubrechen. In den ostdeutschen Ländern, wo Kommunalpolitiker der täglichen Arithmetik von Räten und Ausschüssen gegenüberstehen, ist der Druck zur Zusammenarbeit am größten. Die Wirkung auf die traditionellen Parteien wäre gravierend. Die Union, derzeit geführt von einem Kanzler auf einem historischen Tief, wäre hin- und hergerissen zwischen Halten und Brechen der Grenze. Die SPD wiederum liegt bundesweit auf einem historischen Tief von rund zwölf bis dreizehn Prozent, ihre Führung steht unter wachsendem Druck. Der entscheidende Umschwung könnte in diesem Szenario aber auch aus der Wirtschaft kommen: Wenn Instabilität zunimmt und andere Koalitionen unmöglich werden, beginnen Teile der deutschen Wirtschaft, aus Gründen der Regierbarkeit dafür zu plädieren, die AfD als normale Partei zu behandeln. Das war das Szenario, das Justus Bender in seinem Buch über die AfD 2017 beschrieb: Ein Gedankenspiel, wie es der AfD mit dem Erreichen von 28 Prozent bei einer Bundestagswahl gelingen könnte, im Jahr 2026 den Bundeskanzler zu stellen und dann das Land und Europa grundlegend zu verändern.
Dies ist keine Prognose. Es ist aber ein sehr realistisches Szenario. Daran knüpft sich eine Warnung: Wenn Deutschlands demokratische Kräfte ihren Worten Taten folgen lassen und gegen die AfD vorgehen wollen, dann gilt es, das Zeitfenster des Handelns nicht verstreichen zu lassen, wie dies deutsche Regierungen zwischen 1930 und 1933, und italienische Demokraten zwischen 1922 und 1925, taten. Es gilt, sich in einer Stunde der Gefahr, die an das Europa zwischen 1948 und 1958 erinnert, von Konrad Adenauer inspirieren zu lassen, und entschlossen die deutsche Demokratie gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen. Der Franzose Jean Monnet, später einer der großen Gründer des demokratischen Nachkriegseuropas, warnte im Sommer 1940: „Alles ist möglich in den außergewöhnlichen Augenblicken, vorausgesetzt, man ist bereit und hat einen klaren Plan in dem Moment, in dem alles verworren ist.“ Die AfD und ihre Verbündeten in Moskau und Übersee haben einen Plan und die Entschlossenheit, ihn umzusetzen. Die Verteidiger der Demokratien brauchen heute Mut und Entschlossenheit, um erfolgreich das zu verteidigen, was dieser Generation von den deutschen Gründern, von Adenauer und Brandt, als großartiges Erbe übergeben wurde.